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Blogparade gegen Floskeln und verbrauchte Formulierungen

2012 soll das Jahr des Weltuntergangs sein? Den machen wir nicht mit. Lieber arbeiten wir an originellen Formulierungen! Hier können Texter und Interessierte nachlesen, worum es in der Blogparade von Kommunikations-Profi Kerstin Hoffmann geht.

Zur Erinnerung: Blogparaden sind ein nützliches Werkzeug um sich und sein spezielles Angebot bekannter  zu machen und den Traffic auf der eigenen Webseite zu steigern. Weitere sinnvolle Tipps zum erfolgreichen Bloggen findet man in diesem von mir jüngst rezensierten Ebook. Viel Spaß beim Texten, Formulieren und wüsten Argumentieren!

Warum kein „Herzlich Willkommen“ auf der Homepage?

Texter sind gemein. Sie lesen tagtäglich gute und schlechte Webseiten und ihnen fallen Dinge auf, die anderweitig Berufstätige so nicht wahrnehmen können. Dabei ergibt sich dann mit der Zeit eine richtige No-Go-Liste für Formulierungen und Floskeln im Web.

Eine davon ist leider das beliebte „Herzlich Willkommen“ auf der Startseite. Im Internet macht diese freundliche Grußformel nämlich wenig Sinn.

Im realen Leben freuen wir uns über jedes „Herzlich Willkommen“ an Eingangstüren und sogar auf Fußabtretern. Immer wieder aufs Neue fühlen wir uns tatsächlich eingeladen, die jeweilige Schwelle zu übertreten. Auf der Webseite ist sie leider für die Katz.

Ein Relikt aus den Anfängen des Internets

Das „Herzlich Willkommen“ auf der Homepage stammt noch aus den Anfangszeiten des Internets, als noch nicht jedes Unternehmen eine Internetpräsenz vorzuweisen hatte. – Deswegen muss sich allerdings kein Leser alt fühlen, denn so lange ist dies auch noch nicht her ;).

‚Damals‘ hieß man seine Stammkunden aus dem realen Leben und Leser, die irgendwo die Webadresse gesehen haben, auch noch mal im Web herzlich willkommen. Heute führt fast jeder, der eine Dienstleistung anbietet oder etwas verkauft, eine eigene Webseite. Von mitteilsamen Privatpersonen ganz zu schweigen. Nichts besonderes also, eine Internetpräsenz.

Das „Herzlich Willkommen“ wirkt nur beim ersten Besuch einer Seite

Rufen wir eine Webseite zum zweiten Mal auf, interessiert es uns in der Regel ‚herzlich‘ wenig, dass der Seiteninhaber uns willkommen heißt.

Wir wollen entweder etwas kaufen oder haben eine Information vergessen. „Herzlich Willkommen“ wirkt nun wie eine bereits gelesene Geburtstagskarte ohne besonderen Inhalt von entfernt Bekannten.

Die Grußformel impliziert, dass der Seitenbesucher auch auf der Seite verweilen will

Macht es im realen Leben Sinn, einen Kunden willkommen zu heißen, weil er sich entschlossen hat, einen Laden zu betreten, wirkt es im Netz leicht lauernd.

Der Seitenbesucher hat sich vielleicht noch gar nicht entschlossen, auf der Seite zu bleiben. Meist surft er nur gerade vorbei oder hat einen Link angeklickt. Ob er bleiben will, entscheidet sich erst, wenn er weiß, worum es auf der Seite geht und ob er vom Angebot irgendetwas benötigt.

Eine Webseite ist bildlich betrachtet kein geschlossenes Gebäude

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Viele sehen in ihrer Homepage die virtuelle Entsprechung ihres echten Shops oder ihres Büros. Diese Vorstellung gilt aber nur bedingt. Eine Webseite ist offen und durchlässig, am ehesten kann man sie mit einem Schaufenster oder Plakat vergleichen.

Wir dürfen in diesem Schaufenster ruhig unsere Angebote ansprechend präsentieren und zum Kauf anregen oder marktschreierisch mit großer bunter Schrift den Kunden zu einer Aktivität animieren.

Alles ist gut, was dem Leser hilft, schnell zu erfahren, was er auf dieser Webseite bekommt.

Wen das Angebot nicht interessiert, der darf weiterziehen, denn kein Internet-Geschäft braucht jeden Besucher als Kunden.

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Da wir an unserer Webseite nun keine Eingangstüre haben, macht unser Willkommensgruß auch keinen Sinn. Auf den Leser wirkt er in etwa so, als wenn er beim Schaufensterbummel von einem Ladenbesitzer aufgefordert würde, den Laden doch zu betreten. Ein wenig unangenehm.

Vom „Herzlich Willkommen“ zum „Besuchen Sie uns bald wieder“

Viele Seiteninhaber reagieren etwas traurig, wenn sie sich von dieser allseits beliebten Grußformel verabschieden müssen, wirkt sie doch so nett und heimelig. Ein kleiner Trost: Man muss nicht ganz auf freundliche Korrespondenz mit dem Leser / Kunden verzichten.

Hat der Leser sich entschieden, unser Angebot zu nutzen, etwas bestellt und sei es auch nur den Newsletter, dürfen wir wieder unsere gute Kinderstube auspacken und ihn nach Herzenslust mit Freundlichkeit und Dank überschütten. Hier ist der Phantasie wahrlich keine Grenzen gesetzt, allerdings der Länge des Textes!

Ein einfaches „Besuchen Sie uns bald wieder“ am Ende der Kaufabwicklung wirkt übrigens zeitlos freundlich und animierend.

In diesem Sinne, bis bald auf diesem Blog 😉

 

 

 

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Dr. Doris Doppler-8 Gründe, warum Kunden kaufen

Liebe Leser,

hier kommt ein interessanter Artikel einer Kollegin, Dr. Doris Doppler, aus Österreich. Ich teile zwar nicht alle ihre Ansichten, was die vorgeschlagenen Formulierungen angeht, aber  alle dieser 8 Punkte waren mir bislang noch  nicht bewusst und Ihnen vielleicht auch nicht. Viel Spaß beim Lesen und Diskutieren?


8 Gründe, warum Kunden kaufen

Viele Unternehmen sind in ihre Produkte verliebt. Stolz präsentieren sie unzählige technische Raffinessen und wollen damit die Zielgruppe überzeugen. Aber: Den Leuten ist es egal, ob der neueste Porsche 440 statt 430 Liter Kofferraum-Volumen hat. Sie kaufen einen Porsche, weil sie als erfolgreich und dynamisch gelten wollen, weil sie nach Prestige und Ansehen streben. Das heißt: Es zählen die Kundenbedürfnisse, die ein Produkt befriedigt – nicht seine Eigenschaften. Es geht um die wichtigste Kundenfrage: „Was habe ich von Ihrem Produkt?“ Dieses Grundprinzip gilt für das gesamte Marketing und damit auch für den Werbetext – vom Mailing bis zur Webseite. Ein verkaufsstarker Werbetext kennt die bewussten und unbewussten Wünsche des Kunden und spricht sie gezielt an. Hier sind acht wichtige Gründe, warum Kunden kaufen:

Sicherheit

Die Menschen wollen sich sicher fühlen. Hier geht es zum Beispiel um die Absicherung von Haus und Familie, von Geld und Altersvorsorge. Mit Wendungen wie „Sie können darauf vertrauen, dass …“ oder „Damit Sie auch morgen ruhig schlafen können“ wecken Sie dieses Sicherheits-Bedürfnis. Das gilt auch für Garantie-Versprechen aller Art: „Sie erhalten unser Garantie-Zertifikat noch heute.“ – „Wir garantieren Ihnen eine lange Haltbarkeit unserer handgefertigten Lederschuhe.“

Ansehen

Ruhm und Status, Prestige und gesellschaftliche Anerkennung – viele Leute wollen etwa Besonderes sein und sind bereit, dafür Geld auszugeben. Sprechen Sie dieses Bedürfnis nach Sozialprestige an: „Sie als erfolgreicher Unternehmer …“ oder „eine exklusive Kreation für Kenner“ oder „Ihre Nachbarn werden Sie beneiden“.

Neugier

Neue Produkte, neue Erlebnisse, neue Erfahrungen: Der Wunsch nach Abwechslung treibt viele Menschen an. Egal, ob es sich dabei um eine bislang unbekannte Kaffeesorte handelt oder um eine innovative Partnerbörse auf astrologischer Basis. Nicht umsonst gehört das Wort „neu“ zu den wichtigsten Begriffen der Werbesprache. Es verspricht Stimulation und das erhebende Gefühl, als einer der ersten ein bestimmtes Produkt zu verwenden. Verwenden Sie deshalb Formulierungen wie „Freuen Sie sich auf eine ganz neue Erfahrung“ oder „Probieren Sie unsere neue Kräuterseife gleich aus. Sie werden überrascht sein.“

Gewinn

Wer hat nicht gerne das Gefühl, Geld zu sparen oder ein Schnäppchen zu machen. Das gilt im Privatbereich ebenso wie beim Business-to-Business. Mit finanziellen Vorteilen lässt sich somit immer gut argumentieren: „Sparen Sie bares Geld.“ – „Bestellen Sie noch heute und sparen Sie sich die Bearbeitungsgebühr.“ – „Jeden Montag: Minus 10 Prozent auf alle Werkzeuge.“ Nutzen Sie die entsprechenden Reizwörter wie: gratis, Vorteil, kostenlos, sparsam, wirtschaftlich, wertsteigernd.

Gesundheit

Fitness und Schmerzfreiheit sind zentrale Bestandteile der Lebensqualität. Das gilt besonders für die wachsende Gruppe der Senioren: Sie wünschen sich Gesundheit bis ins hohe Alter. – Darüber hinaus eignet sich das Gesundheits-Argument für viele Bereiche: von Lebensmitteln über Wohnen und Schlafen bis hin zum ergonomischen Arbeitsplatz. Beispiel: „Entspannte Arbeit am Computer: Unser neuer Bürosessel passt sich perfekt ihrem Rücken an.“ Auch Wörter wie bio, vital, natürlich oder Wohlbefinden lassen sich hier einsetzen.

Selbstverwirklichung

Die eigenen Talente entfalten, ein erfülltes Leben führen – das ist in der heutigen Gesellschaft ein großes Thema. Dazu gehört auch, sich von anderen abzugrenzen, etwa durch den Kleidungsstil. Geben Sie deshalb Ihrer Zielgruppe das Gefühl, anders als die anderen zu sein und ungewöhnliche Wünsche ausleben zu können: „Nur für Individualisten: Quer durch den Pazifik auf einem russischen Frachtschiff.“ – „Vergessen Sie Brautmode von der Stange. Entwerfen Sie Ihr persönliches Brautkleid – wir fertigen es nach Ihren Wünschen.“

Bequemlichkeit

Zeit sparen und mit möglichst wenig Aufwand ein gutes Ergebnis erreichen – für viele Menschen sind das verlockende Aussichten. Sei es, dass sie tatsächlich viel beschäftigt sind oder nicht zugeben wollen, dass sie eigentlich genügend Zeit haben – denn das wird heute mit Erfolglosigkeit gleichgesetzt. Zeitersparnis ist damit eine wirksame Argumentation: „Kümmern Sie sich um die wichtigen Dinge im Leben. Den Rest erledigen wir.“ – „Erledigen Sie Ihre Bankgeschäft ganz bequem vom Sofa aus.“

Geselligkeit

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Er liebt es, sich mit anderen auszutauschen und gemeinsam das Leben zu genießen. Er will sich einer Gruppe oder Gemeinschaft zugehörig fühlen – etwa beim Club-Urlaub, beim Harley-Davidson-Treffen oder im Café. Appellieren Sie an dieses soziale Bedürfnis: „An alle Hörer: Machen Sie mit beim großen Radio-Arabella-Wandertag.“ – „Seien Sie dabei und treffen Sie erfolgreiche Börsianer beim gemütlichen Kamingespräch von Börse Aktuell.“ – „Erfolgreich abnehmen mit Gleichgesinnten.“

Fazit

Überlegen Sie sich also: Was verkaufen Sie wirklich? Was ist der eigentliche Nutzen, den Sie Ihren Kunden bieten? Was hat der Kunde von Ihrem Angebot? Versetzen Sie sich in Ihre Zielgruppe, sprechen Sie mit Ihren Kunden und passen Sie dann Ihre Werbetexte entsprechend an. Denken Sie daran: Kunden kaufen keine Bohrmaschine, sondern das Loch in der Wand.

Zur Autorin:
Dr. Doris Doppler arbeitet als freie Texterin und Wirtschaftsjournalistin in Innsbruck (A). Die promovierte Betriebswirtin verfasst Broschüren und Webseiten, optimiert bestehende Texte und entwickelt Konzepte zur Corporate Language. Sie ist für Direktkunden sowie Agenturen im gesamten deutschsprachigen Raum tätig.
mail: doppler@ddoppler.com
web: www.ddoppler.com

Erklärende Ergänzung (22.10.11): Frau Doppler hatte bei diesem Artikel „als Zielgruppe ganz normale Freiberufler und KMU „von nebenan“ im Visier, keine Profitexter. Deshalb waren [ihre] Beispiele auch der „kleinste gemeinsame Nenner“ und sollten nur als Anregung für Nicht-Texter dienen. Natürlich ist es die Aufgabe eines Profitexters, hier für seine Kunden neue Formulierungen zu finden.“