Tag-Archiv | Leser

Ungewöhnliche Formulierungen: „Bleibt alles anders“ (H. Grönemeyer)

 

Mein Beitrag zur Blogparade „Das Jahr der ungewöhnlichen Formulierungen 2012″, von PR-und Kommunikationsprofi Dr. Kerstin Hoffman ins Leben gerufen. In ihrem Blog kann man alles über die Aktion lesen.


Es bleibt alles anders – für mich noch immer ein Knüller-Satz, obwohl das Album von Deutschlands Gesanges-Poeten Nr. 1  der 80er und 90er Jahre schon 14 Jahre alt ist. Weiterlesen

Blogparade gegen Floskeln und verbrauchte Formulierungen

2012 soll das Jahr des Weltuntergangs sein? Den machen wir nicht mit. Lieber arbeiten wir an originellen Formulierungen! Hier können Texter und Interessierte nachlesen, worum es in der Blogparade von Kommunikations-Profi Kerstin Hoffmann geht.

Zur Erinnerung: Blogparaden sind ein nützliches Werkzeug um sich und sein spezielles Angebot bekannter  zu machen und den Traffic auf der eigenen Webseite zu steigern. Weitere sinnvolle Tipps zum erfolgreichen Bloggen findet man in diesem von mir jüngst rezensierten Ebook. Viel Spaß beim Texten, Formulieren und wüsten Argumentieren!

Ebook-Rezension „55 Artikelideen für Ihr Blog“ von Doris Doppler

Bloggen ist toll, aber worüber bloß?

Cover zum ebook "55 Artikelideen für Ihr Blog" von Doris Doppler Solche und ähnliche Fragen liest man recht oft in Foren, nicht selten werden sie hochnäsig beantwortet. Es wirkt eben sehr unkreativ, wenn man keine eigenen Ideen entwickelt. Aber die Frage ist absolut berechtigt! Das hier vorgestellte Ebook von Frau Dr. Doris Doppler schafft echte Abhilfe. Weiterlesen

Warum kein „Herzlich Willkommen“ auf der Homepage?

Texter sind gemein. Sie lesen tagtäglich gute und schlechte Webseiten und ihnen fallen Dinge auf, die anderweitig Berufstätige so nicht wahrnehmen können. Dabei ergibt sich dann mit der Zeit eine richtige No-Go-Liste für Formulierungen und Floskeln im Web.

Eine davon ist leider das beliebte „Herzlich Willkommen“ auf der Startseite. Im Internet macht diese freundliche Grußformel nämlich wenig Sinn.

Im realen Leben freuen wir uns über jedes „Herzlich Willkommen“ an Eingangstüren und sogar auf Fußabtretern. Immer wieder aufs Neue fühlen wir uns tatsächlich eingeladen, die jeweilige Schwelle zu übertreten. Auf der Webseite ist sie leider für die Katz.

Ein Relikt aus den Anfängen des Internets

Das „Herzlich Willkommen“ auf der Homepage stammt noch aus den Anfangszeiten des Internets, als noch nicht jedes Unternehmen eine Internetpräsenz vorzuweisen hatte. – Deswegen muss sich allerdings kein Leser alt fühlen, denn so lange ist dies auch noch nicht her ;).

‚Damals‘ hieß man seine Stammkunden aus dem realen Leben und Leser, die irgendwo die Webadresse gesehen haben, auch noch mal im Web herzlich willkommen. Heute führt fast jeder, der eine Dienstleistung anbietet oder etwas verkauft, eine eigene Webseite. Von mitteilsamen Privatpersonen ganz zu schweigen. Nichts besonderes also, eine Internetpräsenz.

Das „Herzlich Willkommen“ wirkt nur beim ersten Besuch einer Seite

Rufen wir eine Webseite zum zweiten Mal auf, interessiert es uns in der Regel ‚herzlich‘ wenig, dass der Seiteninhaber uns willkommen heißt.

Wir wollen entweder etwas kaufen oder haben eine Information vergessen. „Herzlich Willkommen“ wirkt nun wie eine bereits gelesene Geburtstagskarte ohne besonderen Inhalt von entfernt Bekannten.

Die Grußformel impliziert, dass der Seitenbesucher auch auf der Seite verweilen will

Macht es im realen Leben Sinn, einen Kunden willkommen zu heißen, weil er sich entschlossen hat, einen Laden zu betreten, wirkt es im Netz leicht lauernd.

Der Seitenbesucher hat sich vielleicht noch gar nicht entschlossen, auf der Seite zu bleiben. Meist surft er nur gerade vorbei oder hat einen Link angeklickt. Ob er bleiben will, entscheidet sich erst, wenn er weiß, worum es auf der Seite geht und ob er vom Angebot irgendetwas benötigt.

Eine Webseite ist bildlich betrachtet kein geschlossenes Gebäude

a

Viele sehen in ihrer Homepage die virtuelle Entsprechung ihres echten Shops oder ihres Büros. Diese Vorstellung gilt aber nur bedingt. Eine Webseite ist offen und durchlässig, am ehesten kann man sie mit einem Schaufenster oder Plakat vergleichen.

Wir dürfen in diesem Schaufenster ruhig unsere Angebote ansprechend präsentieren und zum Kauf anregen oder marktschreierisch mit großer bunter Schrift den Kunden zu einer Aktivität animieren.

Alles ist gut, was dem Leser hilft, schnell zu erfahren, was er auf dieser Webseite bekommt.

Wen das Angebot nicht interessiert, der darf weiterziehen, denn kein Internet-Geschäft braucht jeden Besucher als Kunden.

a

Da wir an unserer Webseite nun keine Eingangstüre haben, macht unser Willkommensgruß auch keinen Sinn. Auf den Leser wirkt er in etwa so, als wenn er beim Schaufensterbummel von einem Ladenbesitzer aufgefordert würde, den Laden doch zu betreten. Ein wenig unangenehm.

Vom „Herzlich Willkommen“ zum „Besuchen Sie uns bald wieder“

Viele Seiteninhaber reagieren etwas traurig, wenn sie sich von dieser allseits beliebten Grußformel verabschieden müssen, wirkt sie doch so nett und heimelig. Ein kleiner Trost: Man muss nicht ganz auf freundliche Korrespondenz mit dem Leser / Kunden verzichten.

Hat der Leser sich entschieden, unser Angebot zu nutzen, etwas bestellt und sei es auch nur den Newsletter, dürfen wir wieder unsere gute Kinderstube auspacken und ihn nach Herzenslust mit Freundlichkeit und Dank überschütten. Hier ist der Phantasie wahrlich keine Grenzen gesetzt, allerdings der Länge des Textes!

Ein einfaches „Besuchen Sie uns bald wieder“ am Ende der Kaufabwicklung wirkt übrigens zeitlos freundlich und animierend.

In diesem Sinne, bis bald auf diesem Blog 😉

 

 

 

Google

Die Gegenüberstellung: Schlechter Text – Guter Text

Liebe Leser,

ein aufmerksamer Mitmensch möchte gerne wissen, wie denn so ein schwer verständlicher Text aussehen könnte, wenn die Papillons mal drübergeflogen sind.  Ein Vorher-Nachher-Projekt wäre sehr anschaulich. Eine tolle Idee und Aufgabe, dachte ich mir, doch der Enthusiasmus ebbte bald ab, denn woher nimmt man den schön-schlechten Text zum Umformulieren? Einfach aus dem Netz und andere bloßstellen? Eher unsympathisch. Bevor mir eine gute Lösung einfällt, muss erstmal folgende leicht satirisch zu verstehende Gegenüberstellung reichen.

Die Gegenüberstellung:

Schlechter Text

Um einen recht schlechten Text für unser Medium Internet zu produzieren, bemühe man sich um einen möglichst aufgeblähten langatmigen adjektivlastigen Stil, den man zudem mit ungeläufigen Fremdwörtern, selbst kreierten Substantivierungen und wehleidigen umständlichen Passivkonstruktionen nicht zu wenig auffülle. Um selbigen zur Perfektion zu steigern, muss man sich schon in früher Schulzeit, gefördert und unterstützt durch den einen oder anderen wortverliebten Deutschlehrer, spätestens aber im Studium bei der intensiven Lektüre hochwissenschaftlicher Fachbücher, Forschungen und statistischer Auswertungen, – im literaturwissenschaftlichen Studium bevorzuge man vornehmlich reichlich Sekundärliter, denn von Primärliteratur könnte man schlechterdings noch etwas guten Stil abbekommen -, darin üben. Niemals begehe man den Fehler, bei einem ordentlich schlechten Text für unser Medium Internet (häufige unnötige Wiederholungen sind auch nicht zu verachten, außer es handelt sich um das Keywort; auch Einschübe des Autors in Klammern, die er sonst nirgendwo unterbringen konnte, verwirren die Leser schön und unterbrechen gekonnt den Lesefluss), gleich mit der Türe ins Haus zu fallen und mit der Idee anzukommen (auch öfters zweimal dasselbe mit anderen Worten sagen), der geneigten Leserschaft, das Wesentliche etwa sofort zu präsentieren, gar ohne hübsche literarische Verpackung und Dekor. Man strenge sich an, die Leser recht lange hinzuhalten und ihnen die gewünschte Information zwischen seinen mehrzeiligen Sätzen unter lauter anderen Nebensächlichkeiten und kleinen Ablenkungen gekonnt zu verstecken. Der Leser hat sich sicherlich Zeit genommen und ist gelangweilt von seinem eigenen Leben und Beruf oder Problemchen, sodass er uns freudig folgt in die Abgründe unserer Ausführungen, die wir bei Adam beginnen könnten und in einer kleinen Zukunftsvision für das Jahr 2050 enden lassen könnten (recht oft verwenden wir auch kann und können). Wir schreiben schließlich, also sind wir Schriftsteller und das Volk möchte sich unsere literarischen Ergüsse sicherlich in der Mittagspause oder zwischen Windelwechseln und Zahnarzttermin geistig einverleiben. Man halte den Leser also schön lange hin und führe ihn durch ein ausgeklügeltes Labyrinth an eigenen Gedankengängen und Theorien solange umher, bis er nicht mehr weiß, warum er auf unserer Seite gelandet ist und was er eigentlich mal wissen wollte. Und dann – präsentieren wir ihm – quasi als Höhepunkt – das Geschenk: die Information. Er wird es uns sicherlich danken und unsere Webseite baldmöglichst wieder aufsuchen (das häufige Wörtchen ’sicherlich‘ bloß nicht durch irgendein Synonym austauschen).

Grundregel: Warum kurz, knapp und direkt, wenn es auch umständlich und verworren geht?

——————-

Guter Text

Der Leser ist König

Um einen guten Internettext zu produzieren, bedarf es wenig. Eine klare direkte Sprache und ein strukturierter Aufbau sind oberstes Gebot. Zwischenüberschriften, die dem Leser die Entscheidung zum Weiterlesen erleichtern, sind nur fair.

Das Wichtigste zuerst

Das Wichtigste bringen wir sofort, denn wir wollen dem Leser weder seine wertvolle Zeit stehlen, noch seine Aufmerksamkeit in Sekundenschnelle verlieren. Verständliche Texte sind nicht automatisch primitive Texte, sie sind nur reduzierter und straffer als umständliche.

Der Leser will keine Schachteln auspacken

Gute Texte haben keine verschachtelten Sätze. Warum nicht? Wir kennen unseren Leser nicht. Er ist kein Käufer unserer literarischen Künste, er hat sich nicht gerade mit unserem Text gemütlich aufs Sofa gesetzt, um darin zu schmökern wie in einer freiwillig bezahlten Illustrierten. Unser Leser will schnell informiert werden, ein wenig unterhalten, emotional berührt werden und am Ende einen Nutzen gewinnen.

Verschachtelungen bewirken das genaue Gegenteil, bevor der Leser an seine Info kommt, muss er erst einige kunstvoll dekorierte Schachteln auspacken. Die Folge: Nach der ersten Schachtel ist die Aufmerksamkeit fort und der Leser mit ihr. Woanders kommt er schneller zum Ziel.

Der Leser muss uns nicht folgen

Problem des Texters: Der Leser ist nicht unser Freund. Er packt nicht in kindlicher Vorfreude unsere Satzschächtelchen nacheinander aus, um dann mit einem Freudensjauchzer die Info vor Augen zu haben.

Der Leser ist auch nicht unser Schüler, Student oder Fan. Er muss sich nicht für seine Ausbildung durch unseren schweren Stoff kämpfen, um am Ende gute Noten zu erhalten. Er ist auch nicht daran interessiert, literarische Talente zu entdecken und gekonnte Satzschöpfungen zu honorieren.

Mit anderen Worten: Der Leser ist König. Und bevor jetzt alle depressiv werden, sei zum Trost erwähnt: Wir sind alle Leser…

Diese strengen Maßgaben gelten in erster Linie für das Internet und für die Werbung, natürlich nicht allgemein für Bücher, Fachartikel, Gedichte, Poesie, Zeitungsartikel, wissenschaftliche Studien. Obwohl auch hier oft eine Stilüberarbeitung im Sinne einer Straffung nicht schaden würde, damit der Inhalt direkt zum Vorschein kommt. Aber meist ist dies gar nicht erwünscht. 😉

P.S.: Der Leser ist naturgemäß nicht nur männlich

Hier noch ein paar Literatur-Tipps! Wolf Schneider ist zurzeit mein Lieblings-Autor, was das Thema Texten angeht. Er räumt auf humorvolle, unterhaltsame und auch unbequeme Weise die Vorurteile über seriöse Sprachstile auf. Mit zahlreichen Beispielen von gelungenen und peinlich gekünstelten Formulierungen zeigt er uns, wie man es eindeutig besser macht und so wie Wolf Schneider schreibt, ist es einfach besser. Direkt, treffend und überzeugend schreiben, ist das Ziel im Gegensatz zu einer abgehobenen Wissenschaftssprache und Amtsdeutsch. Viel Spaß bei der Lektüre und man kann versprechen, es löst sich so manche Schreibblockade, die sich vielleicht in der Schule durch engstirnige Deutsch-Lehrer ergeben hat, mit viel Lachen und Amusement von selbst.

Google