Tag-Archiv | gute Texte

Texte fürs Web

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Texte schreiben, die gelesen werden

Das Internet kreiert täglich neue Möglichkeiten, von denen die Menschheit jahrtausendelang nicht mal geträumt hat und wir sind mitten drin, in einer Zeit voller Umbrüche und revolutionärer Veränderungen.

Das Internet ist eine Chance für jeden Einzelnen, sein Leben zu ändern, in den Griff zu bekommen, endlich genügend Geld zu verdienen, die richtigen Kontakte zu finden, Dinge anzufangen, die bisher unrealistisch erschienen. Die große Freiheit, die große Chance. Weiterlesen

Ungewöhnliche Formulierungen: „Bleibt alles anders“ (H. Grönemeyer)

 

Mein Beitrag zur Blogparade „Das Jahr der ungewöhnlichen Formulierungen 2012″, von PR-und Kommunikationsprofi Dr. Kerstin Hoffman ins Leben gerufen. In ihrem Blog kann man alles über die Aktion lesen.


Es bleibt alles anders – für mich noch immer ein Knüller-Satz, obwohl das Album von Deutschlands Gesanges-Poeten Nr. 1  der 80er und 90er Jahre schon 14 Jahre alt ist. Weiterlesen

Blogparade gegen Floskeln und verbrauchte Formulierungen

2012 soll das Jahr des Weltuntergangs sein? Den machen wir nicht mit. Lieber arbeiten wir an originellen Formulierungen! Hier können Texter und Interessierte nachlesen, worum es in der Blogparade von Kommunikations-Profi Kerstin Hoffmann geht.

Zur Erinnerung: Blogparaden sind ein nützliches Werkzeug um sich und sein spezielles Angebot bekannter  zu machen und den Traffic auf der eigenen Webseite zu steigern. Weitere sinnvolle Tipps zum erfolgreichen Bloggen findet man in diesem von mir jüngst rezensierten Ebook. Viel Spaß beim Texten, Formulieren und wüsten Argumentieren!

Die Gegenüberstellung: Schlechter Text – Guter Text

Liebe Leser,

ein aufmerksamer Mitmensch möchte gerne wissen, wie denn so ein schwer verständlicher Text aussehen könnte, wenn die Papillons mal drübergeflogen sind.  Ein Vorher-Nachher-Projekt wäre sehr anschaulich. Eine tolle Idee und Aufgabe, dachte ich mir, doch der Enthusiasmus ebbte bald ab, denn woher nimmt man den schön-schlechten Text zum Umformulieren? Einfach aus dem Netz und andere bloßstellen? Eher unsympathisch. Bevor mir eine gute Lösung einfällt, muss erstmal folgende leicht satirisch zu verstehende Gegenüberstellung reichen.

Die Gegenüberstellung:

Schlechter Text

Um einen recht schlechten Text für unser Medium Internet zu produzieren, bemühe man sich um einen möglichst aufgeblähten langatmigen adjektivlastigen Stil, den man zudem mit ungeläufigen Fremdwörtern, selbst kreierten Substantivierungen und wehleidigen umständlichen Passivkonstruktionen nicht zu wenig auffülle. Um selbigen zur Perfektion zu steigern, muss man sich schon in früher Schulzeit, gefördert und unterstützt durch den einen oder anderen wortverliebten Deutschlehrer, spätestens aber im Studium bei der intensiven Lektüre hochwissenschaftlicher Fachbücher, Forschungen und statistischer Auswertungen, – im literaturwissenschaftlichen Studium bevorzuge man vornehmlich reichlich Sekundärliter, denn von Primärliteratur könnte man schlechterdings noch etwas guten Stil abbekommen -, darin üben. Niemals begehe man den Fehler, bei einem ordentlich schlechten Text für unser Medium Internet (häufige unnötige Wiederholungen sind auch nicht zu verachten, außer es handelt sich um das Keywort; auch Einschübe des Autors in Klammern, die er sonst nirgendwo unterbringen konnte, verwirren die Leser schön und unterbrechen gekonnt den Lesefluss), gleich mit der Türe ins Haus zu fallen und mit der Idee anzukommen (auch öfters zweimal dasselbe mit anderen Worten sagen), der geneigten Leserschaft, das Wesentliche etwa sofort zu präsentieren, gar ohne hübsche literarische Verpackung und Dekor. Man strenge sich an, die Leser recht lange hinzuhalten und ihnen die gewünschte Information zwischen seinen mehrzeiligen Sätzen unter lauter anderen Nebensächlichkeiten und kleinen Ablenkungen gekonnt zu verstecken. Der Leser hat sich sicherlich Zeit genommen und ist gelangweilt von seinem eigenen Leben und Beruf oder Problemchen, sodass er uns freudig folgt in die Abgründe unserer Ausführungen, die wir bei Adam beginnen könnten und in einer kleinen Zukunftsvision für das Jahr 2050 enden lassen könnten (recht oft verwenden wir auch kann und können). Wir schreiben schließlich, also sind wir Schriftsteller und das Volk möchte sich unsere literarischen Ergüsse sicherlich in der Mittagspause oder zwischen Windelwechseln und Zahnarzttermin geistig einverleiben. Man halte den Leser also schön lange hin und führe ihn durch ein ausgeklügeltes Labyrinth an eigenen Gedankengängen und Theorien solange umher, bis er nicht mehr weiß, warum er auf unserer Seite gelandet ist und was er eigentlich mal wissen wollte. Und dann – präsentieren wir ihm – quasi als Höhepunkt – das Geschenk: die Information. Er wird es uns sicherlich danken und unsere Webseite baldmöglichst wieder aufsuchen (das häufige Wörtchen ’sicherlich‘ bloß nicht durch irgendein Synonym austauschen).

Grundregel: Warum kurz, knapp und direkt, wenn es auch umständlich und verworren geht?

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Guter Text

Der Leser ist König

Um einen guten Internettext zu produzieren, bedarf es wenig. Eine klare direkte Sprache und ein strukturierter Aufbau sind oberstes Gebot. Zwischenüberschriften, die dem Leser die Entscheidung zum Weiterlesen erleichtern, sind nur fair.

Das Wichtigste zuerst

Das Wichtigste bringen wir sofort, denn wir wollen dem Leser weder seine wertvolle Zeit stehlen, noch seine Aufmerksamkeit in Sekundenschnelle verlieren. Verständliche Texte sind nicht automatisch primitive Texte, sie sind nur reduzierter und straffer als umständliche.

Der Leser will keine Schachteln auspacken

Gute Texte haben keine verschachtelten Sätze. Warum nicht? Wir kennen unseren Leser nicht. Er ist kein Käufer unserer literarischen Künste, er hat sich nicht gerade mit unserem Text gemütlich aufs Sofa gesetzt, um darin zu schmökern wie in einer freiwillig bezahlten Illustrierten. Unser Leser will schnell informiert werden, ein wenig unterhalten, emotional berührt werden und am Ende einen Nutzen gewinnen.

Verschachtelungen bewirken das genaue Gegenteil, bevor der Leser an seine Info kommt, muss er erst einige kunstvoll dekorierte Schachteln auspacken. Die Folge: Nach der ersten Schachtel ist die Aufmerksamkeit fort und der Leser mit ihr. Woanders kommt er schneller zum Ziel.

Der Leser muss uns nicht folgen

Problem des Texters: Der Leser ist nicht unser Freund. Er packt nicht in kindlicher Vorfreude unsere Satzschächtelchen nacheinander aus, um dann mit einem Freudensjauchzer die Info vor Augen zu haben.

Der Leser ist auch nicht unser Schüler, Student oder Fan. Er muss sich nicht für seine Ausbildung durch unseren schweren Stoff kämpfen, um am Ende gute Noten zu erhalten. Er ist auch nicht daran interessiert, literarische Talente zu entdecken und gekonnte Satzschöpfungen zu honorieren.

Mit anderen Worten: Der Leser ist König. Und bevor jetzt alle depressiv werden, sei zum Trost erwähnt: Wir sind alle Leser…

Diese strengen Maßgaben gelten in erster Linie für das Internet und für die Werbung, natürlich nicht allgemein für Bücher, Fachartikel, Gedichte, Poesie, Zeitungsartikel, wissenschaftliche Studien. Obwohl auch hier oft eine Stilüberarbeitung im Sinne einer Straffung nicht schaden würde, damit der Inhalt direkt zum Vorschein kommt. Aber meist ist dies gar nicht erwünscht. 😉

P.S.: Der Leser ist naturgemäß nicht nur männlich

Hier noch ein paar Literatur-Tipps! Wolf Schneider ist zurzeit mein Lieblings-Autor, was das Thema Texten angeht. Er räumt auf humorvolle, unterhaltsame und auch unbequeme Weise die Vorurteile über seriöse Sprachstile auf. Mit zahlreichen Beispielen von gelungenen und peinlich gekünstelten Formulierungen zeigt er uns, wie man es eindeutig besser macht und so wie Wolf Schneider schreibt, ist es einfach besser. Direkt, treffend und überzeugend schreiben, ist das Ziel im Gegensatz zu einer abgehobenen Wissenschaftssprache und Amtsdeutsch. Viel Spaß bei der Lektüre und man kann versprechen, es löst sich so manche Schreibblockade, die sich vielleicht in der Schule durch engstirnige Deutsch-Lehrer ergeben hat, mit viel Lachen und Amusement von selbst.

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